Nominiert

Giuseppe Pasini

ESF Elbe-Stahlwerk Feralpi GmbH

Geschäftsführer

Aus welchen Gründen, sollten Sie die Auszeichnung »Sachsens Unternehmer des Jahres« erhalten?:

Wer an die Stahlproduktion denkt, hat sofort Bilder im Kopf: von rauchenden Schornsteinen, dunklen Wolken und dampfenden Öfen, an denen rußverschmierte Menschen schwitzend ihre Arbeit verrichten. Mit der Gegenwart haben sie kaum noch Schnittmengen. Im Gegenteil, wir als Stahlhersteller setzen innerhalb der FERALPI-Unternehmensgruppe konsequent auf nachhaltige Lösungen, die einerseits die Daseinsberechtigung der Stahlwerke als Hersteller der für unsere Wirtschaft elementaren Basis stärken und zum anderen aber, die als schmutzige Industrie verpönte Branche durch zukunftsgewandte und umweltschonende Prozesse revolutionieren.

Bereits zur Firmengründung des ersten FERALPI-Werkes im italienischen Lonato 1968 formulierte Gründungsvater Carlo Nicola Pasini seinen Anspruch an das eigene unternehmerische Handeln: „Produzieren und Wachsen mit Rücksicht auf den Menschen und die Umwelt.“ Mittlerweile in zweiter Generation gilt diese Maxime in der europaweit tätigen Gruppe mehr denn je. Vor allem mit unserer Stahlproduktion im sächsischen Riesa wird sie vorbildhaft gelebt: Aus jährlich bis zu 1,1 Millionen Tonnen Schrott produzieren wir heute dort Stahl im saubersten Stahlwerk Deutschlands und sind auf dem Weg, uns von einem Mittelzentrum Sachsens aus auch weltweit als einer der umweltschonendsten Stahlproduzenten zu etablieren.

An diesem von Industrie deutlich geprägten Standort hat nachhaltiges Wirtschaften auch jenseits unserer eigenen Ansprüche einen hohen Stellenwert, denn: In einer historisch gewachsenen Gemengelage, bei der industriell genutzte Flächen und Wohngebiete direkt aneinander grenzen, ist jeder LKW eine potenzielle Lärmbelästigung der Anwohner und alles, was aus den Schornsteinen aufsteigt, kann als Verschmutzung empfunden werden.

Erst in dieser von zahlreichen kritischen Augen beobachteten Umgebung kann sich ein Unternehmen an den eigenen hohen Zielen messen lassen. Und das tun wir. Mit enormer Innovations- und Investitionskraft in die Entwicklung eigener, effizienter Prozess- und Umwelttechnologien haben wir in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt. So sind wir nach der Einführung des Umweltmanagementsystems und dessen Zertifizierung nach DIN EN ISO 14001 seit 2012 auch mit der höchsten Auszeichnung im systematischen Umweltschutz, der neuen EMAS III-Verordnung der EG, zertifiziert. Wir haben uns bewusst gemacht, wer unter diesen lokalen Bedingungen und mit dieser Motivation Stahl produziert, der hat permanent elementare Fragen rund um Emissionen bzw. Immissionen und deren Auswirkungen auf die Anwohner zu beantworten.

Die Antworten, die wir insbesondere in unserer dreijährigen Vorbereitung auf unseren komplexen Antrag auf Modernisierungsmaßnahmen rund um die Themen Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Umweltschutz nach BImSchG gefunden haben, setzen wir als Gesamtpaket nach Erteilung der Genehmigung durch die Landesdirektion Sachsen Ende 2014 und mit einer Investitionssumme von 34 Millionen Euro schrittweise um – mit der weltweit „Besten verfügbaren Technik“ (BVT) und auch darüber hinaus.

Als ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi GmbH haben wir mit einer Untersuchungstiefe, die innerhalb der deutschen Stahlwerke einmalig ist, Maßstäbe für alle zukünftigen Genehmigungsverfahren in der Branche gesetzt. So wurden erstmals überdurchschnittlich detaillierte Nebenbestimmungen und ein Summengrenzwert für Dioxine, Furane, coplanare PCB und das neue System der Toxizitätsäquivalente (TEQ) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2005 – zur Abschätzbarkeit der Giftigkeit dieser Stoffe – für Riesa festgelegt, die wir mit zusätzlichen Investitionen realisieren, in freiwilligen Messungen kontrollieren, veröffentlichen und die jetzt Gradmesser für andere Elektrostahlwerke sind.

Mit unserer transparenten Kommunikation gelang und gelingt es uns zudem immer besser, auch die Bevölkerung für unser Anliegen zu sensibilisieren.

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