News

Eine Familie mit Geschmack

In der Wintergarten-Ausstellung: Arian Vorwerk bietet Anbauten fürs Wohnzimmer, aber auch große verglaste Metallkonstruktionen für Hotels – häufig mit Zierrat in klassischen Formen wie diesem korinthischen Kapitell.

 

Unternehmer des Jahres – Nominierte vorgestellt

Eine Familie mit Geschmack

 

Die Vorwerks In Radeberg Bauen Wintergärten - Auch Für Den Europapark Rust. Als Nächstes Wollen Sie Den Striezelmarkt Verschönern.

Freitags kommen die besten Ideen. An jedem Freitag setzt sich die Familie Vorwerk im ehemaligen Bauernhof der Großeltern zusammen. „Dann wird die Woche ausgewertet“, berichtet Geschäftsführer Arian Vorwerk. Dann kann es auch vorkommen, dass sein Vater Andreas zu einem schon länger angedachten Projekt vorschlägt: „Wir machen das jetzt einfach!“ So kam es, dass Vater und Sohn Vorwerk aus dem Radeberger Ortsteil Großerkmannsdorf im Herbst nach Münster in Westfalen fuhren und dort auf einem Testgelände die teure Prüfung ihres neuen Produkts bestaunten. Am Ende waren zwei Lastwagen kaputt, und die neuen Sicherheitsbarrieren der sächsischen Firma Vowisol bekamen ihre Prüfzertifikate. Am Dresdner Striezelmarkt waren die grünen Kästen mit Tannenbepflanzung schon zu sehen, nahe der Kreuzkirche. Mancher Passant klopfte prüfend ans Metall.

Arian Vorwerk konnte es nämlich nicht mit ansehen, dass immer mehr Weihnachtsmärkte von grauen Beton-Elementen oder hohen Wasserbehältern umgeben wurden. „Das muss anders und besser gehen“, sagt der 41-Jährige. Er lebt zwar nach eigenen Angaben gut vom Bau metallener Wintergärten. Der Firmenname Vowisol steht für Vorwerk Wintergärten Solararchitektur. Doch ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt ist für die Familie Pflicht, und beim Anblick hässlicher Lastwagen-Sperren fragte sich der ausgebildete Metallbauer und Kaufmann: „Wo leben wir eigentlich?“ Er nahm große Pflanzkübel aus der eigenen Werkstatt zum Vorbild für Kästen mit Stahlkern, die jeweils gut zehn Tonnen auf die Waage bringen. Diese Barrieren mit Aluminiumhülle gibt es auf Wunsch mit Stadtwappen und Graffiti-Schutz. „Sie müssen ins Stadtbild passen, sodass sie das ganze Jahr über stehen könnten.“

Modern, aber gerne auch mit Zierrat

Ein Film auf der Internetseite des Unternehmens zeigt den Crashtest: Lastwagen donnern aus unterschiedlichen Winkeln gegen die Fahrzeugsperren, verschieben sie zwar, aber kommen dann ins Taumeln und bleiben schließlich beschädigt stehen. Vater und Sohn Vorwerk stehen in Dienstkleidung mit Firmenschriftzug daneben und umarmen sich. Dabei haben sie schon viel erlebt – zum Beispiel Verkaufsgespräche mit der Schlagersängerin Andrea Berg und dem Fußballer Miroslav Klose. Die haben nach Angaben des Unternehmens Wintergärten aus Großerkmannsdorf bestellt. Beide Promis seien übrigens unkompliziert. Andrea Berg habe den sächsischen Monteuren das Feierabendbier gebracht.

Firmenchef Andreas Vorwerk möchte den Eindruck vermeiden, er liefere nur Luxusprodukte. „Wir wollen nicht als abgehoben dastehen“, sagt er. Seine Wintergärten dienen auch Einfamilienhäusern als Erweiterung des Wohnzimmers. Wer durch Großerkmannsdorf spaziert, sieht dort zwar keine Häufung von verglasten Anbauten. Doch Vorwerk versichert, auch in seinem Heimatort gebe es Wintergärten hinter manchen Häusern. Vowisol biete allerdings „keine Baumarktschnäppchen“ und definiere sich „nicht über den Preis, sondern über Qualität“. Mancher Anbau habe den Preis eines Mittelklassewagens – und für ein Hotelschwimmbad kommt auch mal eine Millionenrechnung zusammen.

Die Kunden können bei der Besichtigung im ehemaligen Bauerngut mehrere Wintergärten betreten, beheizbare Scheiben betasten und Schmuck-Elemente vergleichen. Vorwerk holt Aluminiumkapitelle nach korinthischem Vorbild aus dem Lager und zeigt auf Rosetten, die viele Platten schmücken. Einen Trend zur Moderne gebe es zwar, doch häufig werde Zierrat geordert. Der passt gut zu Dresdner Gründerzeitvillen, aber auch zum Kiosk auf der Seebrücke an der Ostsee oder zum gemütlichen Café. Ein Großkunde der Vorwerks ist der Europa-Park Rust, ein Vergnügungspark mit Gastronomie.

In Vorwerks Musterwintergärten zeigen Flachbildschirme und Fotobücher besonnte Hotel-Erweiterungen im Schnee vor Alpenpanorama und ein Schlösschen in Brandenburg. Das Unternehmen mit 45 Mitarbeitern setzte im abgelaufenen Jahr rund 5,3 Millionen Euro um. Fürs neue Jahr sei Vowisol fast ausgelastet, sagt der Chef auf die Frage nach dem Wirtschaftsabschwung. Den bekommt er zwar mit, wenn Metalllieferanten von ihren Kunden aus der Autobranche erzählen. Doch aus Vorwerks Sicht wird weiterhin „in Lebensqualität investiert“, und der wichtige Kunde Gastronomie wachse. Gern berichtet der Geschäftsführer von Aufträgen für das Hotel Suitess an der Dresdner Frauenkirche, das Hotel Schumann in Schirgiswalde-Kirschau und Pläne für einen weißen IbizaBeach-Klub im Lausitzer Seenland. Das ist für die Monteure nicht so weit wie Österreich, wo sie ebenfalls Kunden fanden.

Es wird weiter angebaut

In der Werkhalle neben Nachbars Pferdestall arbeiten programmierte Maschinen. Aluprofile aus einem Leipziger Presswerk liegen bereit, die Pulverbeschichtung wird in Dresden gemacht. Glas kommt aus Torgau, und das korinthische Kapitell als Abschluss des Rundpfeilers lässt Vorwerk in Freital gießen. Begriffe wie Goldener Schnitt gehören zur täglichen Praxis. Der Firmenchef legt Wert darauf, dass seine Kunden keine Schrauben und Kabel in ihren Wintergärten sehen. Indirekte Beleuchtung wird gerne genommen.

Weder Metallbau noch Stilkunde gehörten zum Fachwissen des Gründers Andreas Vorwerk, der 1990 mit Jalousien-Bau auf dem Familiengrundstück begann. Zuvor war er im nahen Kernforschungszentrum Rossendorf für Finanzen zuständig gewesen. Doch nach der Grenzöffnung lernte er im Berliner Gewimmel einen Unternehmer kennen, der stolz seine Sonnenschutzproduktion vorzeigte. Das schien nachahmenswert.

In den 90er-Jahren bekam das junge Unternehmen immer mehr Aufträge, die vom Sonnenschutz in Richtung Einbruchschutz gingen und dann hin zum Wintergarten. „Wir sind sehr innovativ“, sagt Arian Vorwerk und betont, gerade das sei Familien-Unternehmen eigen. Die „breiten Schultern in der Familie“ gäben Kraft. „Alle leben für die Sache.“ Sechs Familienmitglieder arbeiten mit im Betrieb, fünf Kinder kommen als mögliche Nachfolger infrage. Freilich erleben sie laut Vorwerk auch mit, dass die Eltern manchmal gestresst sind und dass Selbstständigkeit auch „einen Verlust an Lebensqualität“ bedeuten kann.

Den Mitarbeitern hat Vorwerk kurz vor Weihnachten beim Jahresabschlussfrühstück wieder die Geschäftszahlen bekannt gegeben. Er bietet auch jedes Jahr einen Betriebsausflug und eine Fahrt ins Blaue, meist mit Kulturprogramm. Die Lehrlinge, jedes Jahr wird einer eingestellt, führen Besucher beim Schautag im Frühjahr. Bald werden sie dabei größere Strecken zurücklegen: Vorwerks haben ein Nachbargrundstück erworben und bauen wieder an.

Text: Georg Moeritz

Foto: Thomas Kretschel

Zurück zur Übersicht