Nominiert

Dr. Peter Schiekel

SPS Schiekel Präzisionssysteme GmbH

geschäftsführender Gesellschafter

Aus welchen Gründen sollten Sie die Auszeichnung »Sachsens Unternehmer des Jahres 2019« erhalten?

Unter der Führung von Dr.-Ing. Peter Schiekel entwickelte sich das im Jahre 1992 von ihm gemeinsam mit seinem Bruder Gert gegründete Familienunternehmen schnell zu einem der erfolgreichsten und profiliertesten Spezialisten für die Zerspanung und Oberflächenvergütung von Edelstahl, Titan sowie schwer zerspanbaren Materialien auf Nickelbasis im deutschsprachigen Raum und den Benelux-Staaten. Der Fokus liegt hierbei nicht auf hohen Stückzahlen sondern auf einer flexiblen Klein- und Mittelserienproduktion hochpräziser Dreh- und Frästeile, Filter-, Ventil- und Sensorgehäuse, Sonderflansche, Spezialfittings, Zentrier- und Übergangsringe sowie Rohrreduzierungen.

Dr.-Ing. Peter Schiekel kann Jahr für Jahr auf eine wachsende Zahl Kunden im In- und Ausland verweisen. Zu ihnen gehören unter anderem Auftraggeber in der Luft- und Raumfahrttechnik, im Chemieanlagenbau, in der Mess- und Sensortechnik, im Pharmazieanlagenbau und der Medizintechnik, in der Biotechnologie, in der Reinstraumtechnik, im Hochvakuum- und Ultrahochvakuum-Bereich, in der Lebensmittelindustrie und dem Getränkemaschinenbau sowie in der Energiebranche. Produkte aus Dohna fliegen seit 2005 auch im Airbus 380, dem größten Passagierflugzeug der Welt, und eroberten in der europäischen Trägerrakete „Ariane“ das Weltall. Die Firma arbeitet nach einem durchgängigen Qualitätssicherungssystem nach DIN ISO 9001: 2015. Die in Dohna gefertigten Komponenten aus nichtrostenden Materialien funktionieren zuverlässig unter extremen Bedingungen. Sie trotzen aggressiven Medien, mechanischen Belastungen und erfüllen höchste Ansprüche unter vielfältigen Einsatzbedingungen.

Dass die Firma  jederzeit ihrem Anspruch gerecht wird, ihre Auftraggeber nach deren individuellen Wünschen in höchster Präzision und Zuverlässigkeit zu beliefern, belegen teils atemberaubende Wachstumszahlen. In manchem Jahr verdoppelte sich der Umsatz gegenüber dem Vorjahr – und er wächst weiterhin zweistellig. Im Jahre 2018 lag er bei knapp 13,5 Millionen Euro und damit erneut rund zehn Prozent höher als im Jahr zuvor. SPS Schiekel produziert heute in zwei Wochen mehr als im gesamten Gründungsjahr. Wurden 1992 rund 20 Tonnen Material veredelt, sind es mittlerweile mehr als 500 Tonnen Edelstahlrohlinge. In den 27 Jahren, die das Familienunternehmen besteht, wurden bereits 20 000 unterschiedliche Produkte gedreht, gefräst und poliert – alles in allem über acht Millionen Teile. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich von zwölf im Jahre 1992 auf gegenwärtig 140. Unter ihnen befinden sich wie in jedem Jahr auch zwölf Auszubildende.

Die Grundlage für die Erfolge bildet ein erlesener Park aus CNC-gesteuerten Dreh- und Fräsmaschinen. 2018 kam mit einem ersten 5-achsigen  Bearbeitungszentrum auch einer der weltweit modernsten Fräsautomaten hinzu. Für diese hocheffizienten Anlagen war das moderne Firmengebäude erst 2016 durch eine neue Fertigungshalle sowie ein neues Materiallager auf eine Produktionsfläche von 2.400 m² erweitert worden. Doch Dr.-Ing. Peter Schiekel denkt bereits weiter in die Zukunft, so lässt sich der Fertigungsbereich noch auf 4000 m² ausdehnen. Insgesamt hat SPS Schiekel seit 1992 knapp 12 Millionen Euro investiert, darunter allein 2018 über 850.000 Euro in neue Technik und Ausrüstung sowie die  Digitalisierung, um das Unternehmen im Rahmen des Projekts Industrie 4.0 zukunftsfest zu machen.

Dieser Erfolg war nicht zwingend abzusehen gewesen, als Peter Schiekel 1970 die Ausbildung zum Chemiefachfarbeiter mit Abitur begann und anschließend an der TU Dresden Informatik studierte. Ab 1980 arbeitete er beim Halbleiterunternehmen Robotron in Dresden als Entwickler für Software zur Zeichen- und Spracherkennung. 1985 kehrte er an die TU Dresden zurück, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Sektion Hydrologie an der Einführung der ersten PC-Technik beteiligt war. 1989 promovierte Peter Schiekel zu einem Thema der Optimierung der Trinkwasserversorgung und arbeitete danach bis 1992 in einem privaten Ingenieurbüro für wasserwirtschaftliche Themen in Dresden.

Allerdings befand er sich schon immer in einer fruchtbaren unternehmerischen Tradition. Denn bereits seine Eltern hatten in den 1950-er Jahren in Nentmannsdorf im Osterzgebirge einen Metallhandwerksbetrieb aufgebaut und diese Dreherei später in einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) Mechanik weiter profiliert. Sein Vater leitete die PGH, seine Mutter führte die Bücher und sein jüngerer Bruder Gert Schiekel wurde hier nach seinem Maschinenbaustudium Chef der Werkstatt. Doch mit dem Ende der DDR drohte der Betrieb in den Wirren von politischer Wende und Währungsunion unterzugehen. So lag es nahe, dass die Brüder beschlossen, das unternehmerische Erbe der Eltern fortzusetzen. Hierzu gründeten sie am 2. August 1992 – damals noch in Nentmannsdorf – mit drei CNC-Maschinen die Firma SPS Schiekel Präzisionssysteme GmbH. Nachdem es dem ständig expandierenden Familienunternehmen am alten Standort zu eng geworden war, erfolgte 2003 schließlich der Umzug in das Gewerbegebiet Dohna.  

Ein sehr schwerer Schlag traf Dr.-Ing. Peter Schiekel, als im Mai 2016 völlig überraschend sein Bruder Gert aus dem Leben und damit auch aus dem Unternehmen gerissen wurde. An seinem Grab versprach er ihm, alle Kraft zu investieren und keine Mühe zu scheuen, um sein Lebenswerk weiterzuführen. Seither setzt der 65-jährige verstärkt auf ein kleines und sehr engagiertes Team an jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Produktion, Absatz und Verwaltung, um mit ihnen gemeinsam das Familienunternehmen weiter zukunftssicher aufzustellen.  

Hierzu gehört auch die ständige Suche nach neuen Fachkräften für ihr anspruchsvolles Produktionsprofil. Viele von ihnen wurden bereits selbst ausgebildet. Inzwischen arbeiten bei SPS Schiekel Beschäftigte aus sieben Ländern, darunter aus Polen, Tschechien, der Slowakei, aus Spanien und seit dem Sommer 2018 auch aus Vietnam. Für dieses auch bundesweit beispielgebende Engagement wurden Dr.-Ing. Peter Schiekel und sein Unternehmen bereits 2015 durch das Bundeswirtschaftsministerium mit dem Preis für Willkommenskultur ausgezeichnet. Im Jahr darauf ehrte ihn der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich mit dem „Zukunftspreis“ als bester Handwerksbetrieb des Jahres.

www.sps.de

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