Teilnehmer

Dr. Carsten Riedel

IOT - Innovative Oberflächentechnologien GmbH

geschäftsführender Gesellschafter

Aus welchen Gründen sollten Sie die Auszeichnung »Sachsens Unternehmer des Jahres 2022« erhalten?

Die IOT – Innovative Oberflächentechnologien GmbH, die 1998 als Spin-Off aus dem Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung (IOM) ausgegründet wurde, ist seitdem in Gründerhand und versteht sich als Familienunternehmen. Seit der Gründung sitzt das Unternehmen am Standort „Wissenschaftspark Leipzig“ und zeichnet sich durch kontinuierliches Wachstum aus.

Die Firmenphilosophie, welche in der wissenschaftlichen Prägung begründet ist, führte schon in der Anfangszeit zu einem Bestreben nach der besten Lösung für den Kunden teilweise ohne Rücksicht auf eigene nachteilige finanzielle Auswirkungen. Da die IOT stets in Familienbesitz war, stellte das aber nie ein wirkliches Problem dar und wurde von allen Inhabern mitgetragen. In Nachhinein hat sich genau diese absolute Kundenorientierung als eine der Stärken der IOT erwiesen, viele profitable Nachfolgeprojekte ermöglicht und ist damit zur Leitlinie des Unternehmens geworden.

Die IOT ist heute ein erfolgreiches KMU mit ca. 9 Millionen Euro Jahresumsatz. Aktuell zählt die IOT 44 Beschäftigte. Eine geplante Flächenerweiterung in diesem Jahr schafft die Voraussetzung für weitere Entwicklung. Trotz des steilen Wachstums, vor allem in den letzten Jahren, wird die familiäre Atmosphäre in der Firma beibehalten. Flache Hierarchien, kurze Kommunikationswege und viele gemeinsame Aktivitäten und Team-Events stärken den Zusammenhalt und Teamgeist der Mitarbeitenden. Die IOT GmbH versteht sich außerdem als modernes Unternehmen, das in einer männerdominierten Branche den Frauenanteil in den letzten Jahren kontinuierlich erhöhen konnte und das die Arbeit in Teilzeit und die Realisierung von Elternzeitmonaten als Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf aktiv unterstützt. Dies wird von den teils langjährigen Mitarbeitenden sehr gut angenommen, viele IOT-Väter arbeiten Teilzeit und nehmen ganz selbstverständlich mehr als zwei Elternzeitmonate. Seit Beginn der Corona-Pandemie sind zudem die Arbeitszeiten im Betrieb frei gestaltbar und das Arbeiten im Homeoffice, wann immer möglich, eine Selbstverständlichkeit. Nach den bisherigen guten Erfahrungen werden wir dieses Modell auch nach Ende der Pandemie beibehalten. Dies bedeutet eine große Erleichterung für alle Mitarbeitenden mit Kindern im Kindergarten- und Schulalter.
Ein großes Anliegen des Unternehmens ist die Unterstützung von Studierenden und UmschülerInnen mit Praktikumsplätzen. Auch die IOT hat von dieser Strategie profitiert, da mittlerweile viele dieser ehemaligen PraktikantInnen nun wertvolle Mitarbeitende sind. Auch die finanzielle Unterstützung von lokalen sozialen Projekten und Sportvereinen liegt in der DNA der IOT GmbH.

Herr Dr. Carsten Riedel, seit 1999 im Unternehmen, seines Zeichens Chemiker und einer der drei Gesellschafter der IOT GmbH, führt gemeinsam mit seinem Sohn Thomas die Geschäfte. Dieser ist promovierter Physiker und kam aus der akademischen Forschung an der Universität Leipzig ins Unternehmen. Er war zunächst Teil der Forschungs- und Entwicklungsabteilung (F&E) und ist seit 2019 gemeinsam mit seinem Vater Geschäftsführer. Seit Dr. Thomas Riedel 2013 in das Unternehmen eingetreten ist, konnte der Umsatz verfünffacht werden. Auf den notwendigen Generationswechsel ist das Unternehmen also bestens vorbereitet. Sogar die älteste Enkelin, die sich momentan auf das Abitur vorbereitet, übernahm bereits eigene kleine Entwicklungsaufgaben in der F&E Abteilung der IOT GmbH.

Der ehemalige Institutsleiter des IOM, Prof. Dr. Reiner Mehnert, ist Gründer und Gesellschafter der IOT. Im Alter von bald 82 Jahren ist er noch immer Kopf und (Erfinder-)Geist der F&E Abteilung und täglich vor Ort. Sein Enkel Frank Rudzik ist Angestellter des Unternehmens und einer der Konstrukteure der IOT-Anlagen. Seine technischen Ideen haben schon häufig zur Lösung von Problemen und zu hoher Kundenzufriedenheit beigetragen.
Der größte Geschäftsbereich der IOT GmbH ist der Bau von Sonderanlagen für die Strahlungshärtung von lösemittelfreien Lacken mit UV-Strahlern in Stickstoffatmosphäre. Die IOT-eigenen Produkte „Excimer-Strahler“, „DirectCure-Strahler“ und „PAC“ konnten in den letzten Jahren erfolgreich am Markt etabliert werden. Die Stärke der IOT-eigenen UV-Produkte ist, dass alle Technologien selbst entwickelt und im Markt eingeführt wurden. Dies unterscheidet die IOT deutlich von den internationalen Wettbewerbern, macht sie zu einem „Hidden Champion“ und dem führenden Unternehmen bei den Innovationen im Bereich UV-Technik. Aktuell hält die IOT wichtige Schutzrechte im Bereich UV-Härtung / Mattierung. Ein weiteres Patent auf die nächste Neuentwicklung ist bereits eingereicht. Schon kurz nach seinem Einstieg in die IOT gelang es Thomas Riedel mit dem „DirectCure-Strahler“ den „IQ Innovationspreis Mitteldeutschland 2014“ zu erringen. Inzwischen ist das Produkt gut am Markt etabliert und ein wichtiger Baustein des IOT-Produktportfolios mit Alleinstellungsmerkmal.

UV-Beschichtungen werden im Vergleich zu thermischen, lösemittel-, oder wasserbasierten Beschichtungen extrem energiesparend und emissionsfrei getrocknet. Mittels der IOT-Technologie ist es möglich, die Härtung nahezu frei von Photoinitiatoren zu realisieren. Dies führt zu einer immensen Einsparung dieser umstrittenen Chemikalien bei unseren Kunden und zu einer Verminderung der Exposition von Umwelt und Endverbrauchern. Hinzu kommt, dass die mit IOT-Produkten mattierten und gehärteten Oberflächen kratzfest, chemikalienbeständig und langlebig sind. Die Produkte der IOT Kunden bleiben dadurch länger schön und neuwertig und werden vom Endkunden länger genutzt. Dies macht sie zu nachhaltigen und ressourcen-schonenden Produkten.
Bei der Herstellung der UV-Anlagen der IOT GmbH gibt es keine Serienproduktion. Alle Maschinen sind hochindividuell und spezifisch auf die Bedürfnisse der Kunden angepasst. Daher hat die Fertigung einen starken Manufaktur-Charakter. Die Inbetriebnahme durch einen IOT-Techniker der Anlagen beim Kunden vor Ort sowie ein regelmäßiger Anlagenservice gehören daher ausnahmslos zum Service. Dabei wird der Kunde nicht nur in die Bedienung der IOT-Anlage eingewiesen, sondern auch die Produktion zu Beginn begleitet und der gesamte Produktionsprozess gemeinsam mit dem Kunden begleitet.
Die IOT GmbH versteht sich als Unternehmen mit lokalen Zulieferern aber mit Kunden und Abnehmern weltweit und in unmittelbarer Nachbarschaft. Im Jahr 2021 konnte Leipziger Unternehmen mit IOT-Technologie ausgestattet werden. Zu unseren Kunden zählen vor allem Automobilzulieferer, Möbelproduzenten und Fußbodenhersteller europa- und weltweit. Aber auch Forschungsinstitute, Farb- und Lackhersteller sowie Ausbildungsstätten gehören mittlerweile zu den Abnehmern der IOT-Anlagen. So konnten erst kürzlich die Berufsakademie Sachsen und das Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) von uns mit Laboranlagen ausgestattet werden.

Aufgrund der IOT-Historie als Ausgründung aus dem wissenschaftlichen Umfeld ist das Forschen, Entwickeln und das kontinuierliche Bearbeiten von Forschungsprojekten gemeinsam mit öffentlichen Forschungseinrichtungen ein wichtiger Teil der Unternehmenskultur. Die IOT GmbH wirbt seit Beginn ihrer Gründung selbst erfolgreich Forschungsgelder ein und wird als verlässlicher Projektpartner vieler Forschungsinstitute und Firmen in Leipzig hochgeschätzt. Zu unseren aktuellen Forschungspartnern zählen z.B. das Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung (IOM), das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig. Aber auch überregionale Forschungseinrichtungen, wie die FH Bielefeld zählen zu den Projektpartnern der IOT GmbH. Aktuell werden von der F&E Abteilung drei Projekte parallel bearbeitet. Der jährliche, finanzielle Umfang der Forschungsaktivitäten ist sechsstellig. Im Jahr 2018 wurde eigens ein firmeneigenes neues Technikum und Kundenzentrum mit umfangreich ausgestatteten Laborräumen auf dem Gelände des „Wissenschaftsparks“ in Leipzig eingeweiht.

Das Jahr 2021 war für die IOT GmbH – wie für viele andere Unternehmen - ein Jahr der besonderen Herausforderungen und des Wandels. Trotzdem konnten erfolgreich neue Märkte in Südamerika und Südkorea erschlossen werden. Der Umsatz der letzten Jahre konnte nochmals gesteigert werden. Diese überaus erfreuliche Entwicklung führte jedoch zu einer Zunahme der betriebsnotwendigen Mittel, was wiederum unweigerlich zu einer Zunahme der Komplexität des Planungsbedarfes führte. Die plötzlichen und teils unerwarteten Änderungen vieler Rahmenbedingungen für eine international agierende Firma erforderten schnelle, kreative Lösungen: Standardteile waren nicht mehr lieferbar, daher wurden Designs noch während der Fertigung angepasst um Liefertermine zu halten. Reisemöglichkeiten zu Inbetriebnahmen entfielen zum Teil innerhalb von Stunden. Daher wurden die Anlagen so umkonstruiert, dass die Montage vor Ort vom Kunden selbst unter Anleitung per Videokonferenz erfolgen konnte. Dies gelang direkt beim ersten Versuch in China. Schwierige Wartungsarbeiten konnten dem Kunden nicht mehr an der Anlage erklärt werden, daher wurde begonnen, zusätzliche Video Tutorials zu drehen. Messen bei denen Neukunden erreicht werden können, wurden abgesagt. Glücklicherweise hatte sich die IOT in den Vorjahren einen großen Kundenstamm und einen guten Ruf in der Branche aufgebaut, der sich in Form von Empfehlungen auszahlte. Der unkomplizierte Informationsaustausch, welcher gerade für neue Mitarbeitende in einem wachsenden Unternehmen extrem wichtig ist, wurde durch das Homeoffice schlagartig unterbrochen. Ein internes Wiki und die Organisation über MS-Teams sorgten zumindest teilweise für Ersatz. All diese erfolgreichen Maßnahmen zeigten aber auch, welche Potentiale auch für kleinere Unternehmen erschließbar sind. Die IOT entschied sich das Thema weiter offensiv anzugehen und schuf die Stelle eines „Transformationsmanagers Digitalisierung“. Im Laufe dieses Jahres soll die Digitalisierung des Unternehmens fortgesetzt werden.

Auch in eigener Sache stellt sich die IOT aktiv den Herausforderungen des Klimawandels und den steigenden Energiekosten. In einer unserer Produktionsanlagen können seit dem letzten Jahr aufgrund einer technischen Eigenentwicklung bis zu 50 % des Stromverbrauchs durch Prozesswärmerückgewinnung eingespart werden. Dies leistet aktiv einen Beitrag zum Umweltschutz. Auch kleinere Maßnahmen wie eine Hallenbeleuchtung die sich automatisch nach der Außenhelligkeit regelt, wurden bereits umgesetzt. Neue Energiesparprogramme werden an unserer Technikums-Anlage erprobt und den Kunden präsentiert, um sie später auch in großen Produktionsanlagen einzusetzen.
Die IOT GmbH ist ein Beispiel für sächsischen Erfindergeist und motivierte Mitarbeitende, die es ermöglichten, Ende der 1990er Jahre komplett neu zu starten und es schafften, gegen die etablierten globalen Player zu bestehen. Wie viele solcher Unternehmen befindet sich die IOT GmbH jetzt in der kritischen Phase des Übergangs der ersten auf die zweite Generation, welcher durch ein offenes Miteinander innerhalb der Eigentümerfamilien und den Mitarbeitenden hervorragend gelingt.

www.iot-gmbh.de

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